Abseits der Fjordidylle – das raue Saudafjell

Warum haben wir uns eigentlich dafür entschieden, mit einem Camper durch Norwegen zu fahren? Was den Camper angeht – das war eher eine Impulshandlung. Im Mai hatten wir immer noch kein konkretes Reiseziel ins Auge gefasst und die Unterkünfte, die uns besoders interessierten, waren da natürlich schon ausgebucht. Nehmen was übrig ist und den Urlaub mit Fliesencouchtisch und Sofalandschaft verbringen, war keine echte Option. Ein Camper war eine schnelle Lösung und versprach Flexibilität. Lange überlegten wir nicht, dann stand fest, dass es unsere erste Reise mit Wohnmobil wird.

Was Norwegen angeht – da waren wir uns lange unsicher. Wir versprachen uns von Nowegen eigentlich nicht das, worauf man immer mit der Nase gestoßen wird – Fjordidylle. Aus den Reiseberichten, die wir lasen und den Erzählungen von Bekannten hörten wir heraus, das Norwegen so viel mehr war: abwechslungsreich, natürlich, ruhig. Einzigartig, aber schwer zu beschreiben. Das war es, was uns nach Norwegen zog. Unser Camper sollte uns an Orte etwas abseits des großen Trubels bringen, die dieses einzigartige Norwegengefühl versprühten.

Und genau das fanden wir auf den vielen Gebirgsstraßen Norwegens. Die erste von vielen, die wir erkundeten, war der Saudavegen, der Sauda mit Røldal verbindet. Die Gebirgsstraßen werden nicht nur als reine Touristenattraktion betrieben – sie sind zum Teil wichtige Verkehrsadern. Und so kann es sein, dass einem unvermittelt ein Tanklastzug entgegenkommt. Das dazugehörige Ausweichmanöver und das Abpassen der nächstgelegenen Haltebucht gehören genauso zu den Gebirgsstraßen wie die Hochgebirgslandschaft selbst.

Wir schlängelten uns auf der schmalen Straße von Sauda aus nach oben. Die Landschaft, die draußen an uns vorbeizog änderte sich schlagartig. Oberhalb der Baumgrenze, die man in Norwegen sehr viel schneller überquert als in Mitteleuropa, war es ein ganz anderer Anblick als das idyllische Norwegen, unten am Fjord, das wir hinter uns gelassen hatten. In der Höhe wurde die Landschaft karg und rau, aber nicht unbewohnt. Oben auf der Hochfläche des Saudafjells angekommen, sahen wir immer noch vereinzelt bewohnte Häuser und immer wieder Schafherden, die unbeeindruckt ihrer Arbeit nachgingen.

Die besondere Stimmung in der Höhe hatte uns sofort für sich eingenommen. Die Ruhe und die scheinbare Kargheit der Gebirgslandschaft waren, was wir gesucht hatten. Dabei täuschte der erste Eindruck: von Minute zu Minute wechselte das Licht, schneebedeckte Berggipfel waren zum Greifen nah, Bergseen oder steil aufragende Felswände taten sich plötzlich auf, Geröllfelder wechselten sich mit Schafweiden und rauschenden Gebirgsbächen ab. Auf den zweiten Blick gab es soviel zu bestaunen, dass wir buchstäblich alle paar Meter anhielten, um nichts zu verpassen.

Und mitten hindurch durch diese Landschaft führte der schmale Saudavegen, dessen Schneestangen verrieten, mit welchen Schneehöhen hier zu rechnen und der von November bis Mai in der Regel für den Verkehr gesperrt ist. An einer einspurigen Brücke auf halbem Weg nach Røldal waren wir kurz der Meinung, umdrehen zu müssen. An einer unserer Meinung nach gottverlassenen Brücke im Nirgedwo der Hochfläche machten sich Bauarbeiter zu schaffen. Hier geht es wohl nicht weiter, dachten wir, bis wir verstanden, dass wir ein paar Minuten warten sollten. Wir bekamen ein Zeichen und passierten ganz langsam die enge eingerüstete Brücke. Auch in knapp 1.000 Metern Höhe und auch wenn es nur um eine handvoll Autos und LKW pro Stunde ging – hier war an alles gedacht.

Wir folgten der Gebirgsstraße weiter und der Akku der Kamera ächzte unter den vielen Aufnahmen die wir machten. Bevor wir die vielen Serpentinen zurück ins Tal hinabfuhren, blickten wir aus mehreren hundert Metern Höhe auf unser Ziel Røldal hinab, das wir in der Ferne am nördlichen Ende des Røldalsvatnet, einem langgezogenen See, den man leicht mit einem Fjord verwechselt, erkennen konnten.

In Røldal wollten wir auch übernachten. Wir hatten uns einen kleinen Campinglatz ausgesucht, der direkt am See gelegen war. Der Nebensaison sei dank, war der Platz nicht allzu stark ausgelastet und wir konnten uns einen Platz auf der grünen Wiese aussuchen – mit Blick auf den Røldalsvatnet und auf die Serpentinen, die hinauf zum Saudafjell führten.










1 Kommentare

  1. Oh bei all euren Berichten und den wunderschönen Bildern will ich sofort losdüsen. Vielen Dank fürs Teilen und irgendwann werde ich mich auch mal auf machen. Gen Norden!

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