Die Basics zum Roadtrip – Island im November

Anfang September bekamen wir mit, dass wir uns langsam aber sicher auf ein Urlaubsziel für unseren im Oktober und November anstehenden Jahresurlaub festlegen sollten. Im Frühjahr hatten wir auf Instagram die Stories von Julis Roadtrip verfolgt und seitdem Island als Ziel ins Auge gefasst.

Nachdem wir uns durch einige Reiseberichte und Foren geklickt hatten, stand fest: wir reisen nach Island – egal welches Wetter und wie wenig Tageslicht uns dort im November erwarten würden. Alles andere wäre ein fauler Kompromiss gewesen.

Unsere Planung

Als roter Faden für unsere Route diente die Ringstraße, die die komplette Insel umrundet. Ein Roadtrip auf der Ringstraße ist auch in fünf Tagen machbar, aber wir wollten und konnten uns etwas mehr Zeit nehmen. 18 Tage haben wir letztendlich inklusive An- und Abreise für unsere Reise verplant. Zunächst verschafften wir uns anhand von Reiseberichten einen Überblick über die Orte, die wir uns unbedingt ansehen wollten.

Im Anschluss suchten wir nach passenden Unterkünften und stellten aus diesen Anhaltspunkten eine ungefähre Route zusammen. Wir haben uns dafür entschieden Island im Uhrzeigersinn zu umrunden und nicht jeden Tag detailliert vorgeplant. Wir achteten darauf, zwischen zwei Übernachtungen nicht täglich mehrere hundert Kilometer überbrücken zu müssen und bei zweieinhalb Wochen Island konnten wir ohne Zeitdruck auch mal zwei Nächte an einem Ort verbringen.

Wetter und Reisezeit

Wir waren auf das Schlimmste gefasst. Von Kälte, Regen und kurzen Tagen war die Rede als wir nach „Novemberwetter“ auf Island recherchierten. Letztendlich hat uns das Wetter nur an ein oder zwei Tagen mit Dauerregen oder allzu dichtem Schneetreiben einen echten Strich durch die Rechnung gemacht. Das Thermometer kletterte während unserer Reise nie über 5 Grad und einen ordentlichen Wintereinbruch mit Schnee und Minusgraden haben wir auch erlebt.

Morgens ging die Sonne erst nach 9 Uhr auf und die Tage wurden im Verlauf unserer Reise spürbar kürzer. Die wenigen Stunden zwischen Sonnenauf- und -untergang wollten also gut genutzt werden. Die ein oder andere Unternehmung mussten wir wegen vereister oder viel zu matschiger Wege abbrechen, Hochlandstraßen sind generell gesperrt und eine ganze Reihe von kleineren Cafés und Restaurants auf unserem Weg waren geschlossen.

Aber das Novemberwetter hatte auch seine positiven Seiten. Abseits der großen Touristenhotspots im Süden bzw. im Südwesten trafen wir auf nicht allzu viele andere Touristen und einige der Orte, die wir besuchten, hatten wir quasi ganz für uns allein.

Das Wetter in Island ist wechselhaft und das gilt auch für den November – d.h. genauso oft wie wir dicke Wolkenberge und Regentropfen zu sehen bekamen, wurden die Berge, Flüsse und Wüsten Islands auch in Sonnenschein getaucht. An der Jökulsárlón Gletscherlagune funkelten die am Strand angespülten Eisblöcke im Sonnenlicht. An mehreren Tagen wünschten wir uns bei strahlendem Sonnenschein wir hätten unsere Sonnenbrillen eingepackt. Wenn wir nochmal vor der Wahl stünden Island im November zu bereisen, würden wir es ohne zu Zögern wieder machen, auch wenn wir vielleicht Glück mit dem Wetter hatten.

Wir haben gleich zwei Facetten des Landes kennengelernt – Island im Herbst mit gelb-grauen nicht enden wollenden Graslandschaften und Geröllfeldern und den isländischen Winter, der alles unter einer dicken Schneedecke begrub und das Land ganz anders erscheinen ließ.

Abends wurde uns auch ohne Fernseher und Netflix nie langweilig. In der Zeit von September bis März ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, Polarlichter zu Gesicht zu bekommen und so suchten wir den isländischen Abendhimmel nach ihnen ab. Nach über einer Woche des Wartens wurden wir belohnt und kamen in den Genuss dieses Naturschauspiels, das sich in fünf aufeinanderfolgenden Nächten wiederholen sollte.

Anreise

Einen Flug nach Keflavík, dem einzigen internationalen Flughafen Islands, der nahe der Hauptstadt Reykjavík gelegen ist, konnten wir bequem sechs Wochen im Voraus buchen. Wir haben uns dafür entschieden, von Hamburg aus drei Stunden Non-Stop mit Iceland Air zu fliegen anstatt in Berlin in einen günstigeren Flieger zu steigen.

Mietwagen

Um in Island mobil zu sein, haben wir uns einen Mietwagen genommen. Angesichts des Nahverkehrsnetzes und der Jahreszeit schien uns das die beste und flexibelste Lösung. Bei den Mietwagenanbietern hatten wir die Qual der Wahl. Die Raten schienen etwas günstiger als in den Sommermonaten und grundsätzlich waren die vielen lokalen Anbieter etwas günstiger als die großen Ketten, die auch hierzulande allerorten zu finden sind. Preise verglichen und gebucht haben wir schließlich über guidetoiceland.is.

Anders als bei den großen Anbietern in Deutschland, bucht man in Island ein bestimmtes Modell und keine Fahrzeugklasse. Wir haben auf den Rat gehört, den man vielfach in Reiseberichten findet und ein Fahrzeug mit Allradantrieb gemietet. Die günstigste Lösung, den spartanischen Suzuki Jimny, haben wir übersprungen und das nächstgrößere Modell, einen Dacia Duster, gebucht. Schließlich sollten wir viele Stunden unserer Reise in diesem Auto verbringen. Auf die unzähligen Zusatzversicherungen gegen Steinschlag und vieles andere haben wir verzichtet.

Am Flughafen wurden wir vom Shuttleservice des Vermieters Lagoon Car Rental abgeholt. Unser Dacia war bei der Übergabe in einwandfreiem Zustand. Der Wagen hatte genau die richtige Größe für zwei Personen und den ganzen Kram, von dem wir dachten, dass wir ihn für einen längeren Roadtrip gebrauchen würden. Unser Mietwagen konnte sogar mit ein paar kleinen Extras aufwarten. Ein rudimentäres Navi war das ein oder andere Mal hilfreich, die eingebaute Sitzheizung nutzten wir dagegen fast jeden Tag und die Spikes an den Reifen sollten sich als sehr nützlich erweisen.

Auch bei unserer Abreise sehr früh morgens war die Rezeption der Autovermietung besetzt und wir wurden zurück zum Flughafen chauffiert.

Unterwegs in Island

Autobahnen gibt es in Island nicht. Um Entfernungen zu überbrücken, sollte man also etwas mehr Zeit als in Deutschland einplanen. Die Hauptstraßen sind gut ausgebaut und wer sich an die einfachen und wenig exotischen Regeln im isländischen Straßenverkehr und die Verkehrshinweise hält, wird keine Probleme haben. Insbesondere weil in Island das Verkehrsaufkommen abseits von Reykjavík verschwindend gering ist.

Tankstellen gibt es in regelmäßigen Abständen an der Ringstraße, nur Einkaufsmöglichkeiten abseits der größeren Städte sind rar gesät und hatten in einigen Fällen deutlich kürzere Öffnungszeiten als hierzulande. Bezahlt haben wir alle unsere Einkäufe (und waren sie noch so klein) mit einer Kredit- oder einer Girokarte.

Übernachtung

Nach Übernachtungsmöglichkeiten haben wir ganz klassisch bei Airbnb und booking.com gestöbert. Als wir uns sechs Wochen im Voraus an die Planung machten, hatten wir zwar keine freie Auswahl mehr, aber aufgrund der Jahreszeit auch keine Probleme passende Unterkünfte zu finden. Wir buchten überwiegend kleine Hütten und in zwei Fällen ein Hotel.

Zu den Hütten lässt sich festhalten, dass sie oft für zwei Personen ausgelegt sind. Die Einrichtung der Cottages war schnörkellos, zeitgemäß und darauf ausgelegt, auf kleinem Raum alles Nötige für einen kurzen Aufenthalt zu bieten. Für ein oder zwei Nächte war das perfekt. Wenn man mit mehr als zwei Personen unterwegs ist, wird die Auswahl deutlich kleiner und man muss sich entweder mit Zustellbetten oder deutlich steigenden Preisen arrangieren.

Unsere Vermieter waren oft Privatleute oder kleine Familienunternehmen. Deshalb lief die Kontaktaufnahme und die Schlüsselübergabe immer ein bisschen anders doch stets reibungslos ab. Nur in einem Fall mussten wir etwas länger in unseren unzähligen Buchungsbestätigungs-Mails kramen um herauszufinden, wie wir in unsere Unterkunft kommen. Wo wir auch hinkamen – es war sauber und Bettwäsche und Handtücher waren vor Ort. In den meisten Hütten war schon geheizt und wir nahmen die flächendeckende Verfügbarkeit von Sandwichtoastern und Tischgrills mit Wohlwollen zur Kenntnis.

In den Unterkünften, so wie überall in Island wo sich Touristen tummeln, war meist alles glasklar und bis ins Detail erklärt. Was sich ein bisschen nach erhobenem Zeigefinger anfühlte, ist wohl der internationalen Touristenschar geschuldet, der mal der eine mal der andere Handgriff vollkommen unbekannt zu sein scheint.

Gut zu wissen: Elektrogeräte kann man problemlos mit isländischen Steckdosen verwenden und es gelten die gleichen Regelungen fürs Telefonieren und die mobile Datennutzung wie in der EU. In unserem Fall bedeutete das, dass wir in Island das relativ zuverlässige, mobile Internet zu den gleichen Konditionen wie in Deutschland nutzen konnten. Alle unsere Unterkünfte hatten darüber hinaus WLAN.

Die Isländer, die wir auf unserer Reise trafen, sei es in Hotels, Geschäften oder in unseren Unterkünften, waren immer höflich, nett und hilfsbereit, aber auch ein bisschen reserviert und wenig interessiert an Smalltalk. Unsere Isländisch-Kenntnisse hielten und halten sich in Grenzen und wir verständigten uns komplett auf Englisch, was ohne Ausnahme möglich war.

Kleidung und Gepäck

Wir sind keine typischen Outdoorurlauber, aber uns war bewusst, dass wir in Island viel Zeit im Freien verbringen und warme und wasserfeste Kleidung nicht schaden würde. Wir machten also Ausflüge in Onlineshops und Filialen der hiesigen Outdoor-Ausstatter, um uns den Wetterverhältnissen entsprechend einzukleiden. Die bunte Warenwelt der atmungsaktiven, wasserfesten Thermo-Über und Unterzieher für Kopf, Oberkörper und Fuß war uns bis dahin völlig unbekannt und blieb uns zum Teil ein Rätsel.

Die wichtigste Anschaffung waren wasserfeste solide Wanderschuhe. Diese waren in Island jeden Tag im Einsatz und bitter nötig. Egal wie gut die Wasserfälle und Aussichtspunkte Islands bereits erschlossen sind – es gab immer einen schlammigen Pfad oder einen rutschigen Weg, wo ein fester Stand und warme trockene Füße gefordert waren.

Neben unseren Wanderschuhen hatten wir auch Turnschuhe im Gepäck. Letztere blieben aber die meiste Zeit im Auto. Sie wären der Witterung und den manchmal holprig-glitschigen Wegen nicht gewachsen gewesen.

Ansonsten gingen wir nach dem Zwiebelprinzip vor – langes Unterhemd und lange Unterhose waren täglich in Benutzung. Es hat uns nicht geschadet, immer eine zweite Jacke parat zu haben, die wir uns überwerfen konnten, wenn wir beim letzten Stopp einen Schauer abbekommen hatten.

Ein bisschen weitere „Überlebensausrüstung“ wie Gaskocher, Kochgeschirr, ein Taschenmesser, frisches Wasser und einen Schlafsack hatten wir ebenfalls im Gepäck, kamen aber nie in die Situation, etwas davon nutzen zu müssen. Wir hatten die Befürchtung, dass wir aufgrund der Witterung auch mal für eine Nacht irgendwo im isländischen Niemandsland feststecken könnten, aber dieser Fall trat nie ein.

Täglich füllten wir dagegen unsere Thermoskanne mit Tee. In Island bekommt man nicht an jeder Straßenecke etwas heißes zu Trinken und sich von Zeit zu Zeit mit einem heißen Schluck und der Sitzheizung im Rücken aufzuwärmen, war eine Wohltat.

Reiseführer, Apps und Links

Die folgenden Reiseberichte, Links und Apps kamen bei der Planung und vor Ort in Island zum Einsatz:

DuMont Reisehandbuch Island – den Reiseführer und die darin enthaltene Karte nahmen wir sehr selten zur Hand. Einerseits war das Buch nicht so ganz nach unserem Geschmack, andererseits ergaben sich viele Tagestouren und Abstecher von selbst.

DuMont Bildatlas Island – der Bildatlas war schon sehr viel öfter in Gebrauch. Die Texte und die vielen aussagekräftigen Fotos verschafften uns vorab und vor Ort schnell einen Überblick über die verschiedenen Regionen Islands.

Veður – das Wetter kann tückisch und wechselhaft sein in Island. Die offizielle isländische Wetterapp hat uns zuverlässig mit Informationen und Vorhersagen auf Englisch versorgt.

Verkehr – wie es um die Straßenverhältnisse bestellt ist, verriet uns die App der isländischen Straßenverwaltung. Sie zeigt zuverlässig an, welche Straßen gesperrt, rutschig oder schwer befahrbar sind. Mithilfe von Webcam-Bildern kann man sich darüber hinaus direkt ansehen, wie es auf den Straßen aussieht.

Polarlicht-Vorhersage (iOS, Android) – um Polarlichter zu Gesicht zu bekommen, müssen einige Faktoren zusammenkommen. Der eigene Standort, der Sonnenwind und natürlich die Wolkendecke spielen eine Rolle. Die App hat uns verlässliche Vorhersagen geliefert, ob und wann wir mit Polarlichtern rechnen konnten.

HERE WeGo – für die Navigation ohne den Verbrauch mobiler Daten nutzen wir seit unserer Fahrt durch Schweden und Norwegen HERE. Die App ist kostenlos und es lassen sich vorab Straßenkarten einzelner Regionen oder ganzer Länder für die Offline-Verwendung herunterladen.

Die Posts auf Sonne & Wolken waren eine große Hilfe bei der Planung und unsere Route sollte sich am Ende an der von Jana orientieren.

Die Bilder von Tu und Thuy haben uns die isländische Natur näher gebracht und Lust auf den Roadtrip gemacht. Einen Einblick in den isländischen Alltag liefern die Aufnahmen von Luca Arena.

Bei Instagram haben wir die Accounts von Niklas Söderlund, Stasia Andreeva und Instagramers Iceland durchstöbert.

Budget

Was haben uns 18 Tage Island gekostet? Wir haben vorab keine Kalkulation gemacht und es auch hinterher nicht so genau genommen mit der Abrechnung. Ganz genau können wir es also nicht sagen, aber grundsätzlich ist in Island alles von Lebensmitteln, über den Mietwagen bis zur Übernachtung spürbar teurer als in Deutschland.

Die Kosten für unsere Übernachtungen lagen immer zwischen 100 € und 200 € pro Nacht. Es lohnt sich, Preise zwischen Airbnb und booking.com zu vergleichen. Die Unterkünfte sind oft auf beiden Plattformen gelistet und booking.com ist meist etwas günstiger, da keine Buchungsgebühr erhoben wird.

Lebensmittel waren in den Supermärkten zwar deutlich teurer als gewohnt, aber sich selbst zu verpflegen, war allemal günstiger als eines der (außerhalb von Reykjavík raren) Restaurants oder einen Imbiss aufzusuchen.

Unser Direktflug von Hamburg aus kostete pro Person 350 € und unseren Mietwagen für die komplette Reise haben wir ohne irgendwelche Zusatzversicherungen für 850 € gebucht.

Unsere Route auf einen Blick

In den nächsten Wochen nehmen wir euch mit auf die einzelnen Etappen unseres Roadtrips – in unsere Unterkünfte, in dampfende Geothermalgebiete, zu heißen Quellen, auf den Golden Circle und in das endlose Weiß des isländischen Winters.

 

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