Durch Eis und Schnee zum Mývatn

Der Blick aus dem großen Panoramafenster unserer Hütte war verheißungsvoll: Direkt davor lag ein halber Meter Schnee und der Jeep unseres Hüttennachbarn hing weiterhin friedlich auf einem Stein im Tiefschnee fest. Weiter den Hang hinab lag die Ringstraße vor uns, über die hin und wieder mal ein Auto oder LKW fuhr. Ganz unten lag ruhig der Eyjafjörður-Fjord in der Wintersonne und am anderen Ufer ragten steil schneebedeckte Berge auf. Hätten wir uns vor unserer Reise den isländischen Winter ausmalen müssen, wäre uns wohl nichts klischeebeladeneres eingefallen.

Vor uns sollte, das wussten wir am Morgen noch nicht, der kälteste Tag unserer Reise liegen. Unsere nächste Unterkunft war nur 45 Autominuten entfernt, aber wir hatten uns vorgenommen, den Tag nicht im Auto oder einer warmen Hütte zu verbringen sondern uns den Winter aus nächster Nähe anzuschauen. Entsprechend dick packten wir uns ein, bevor wir aufbrachen.

Wenige Kilometer hinter Akureyri verließen wir die Ringstraße gen Norden. Nach 50 Kilometern Fahrt auf verschneiten und vereisten Pisten erreichten wir Húsavík, die Whalewatching-Hauptstadt Islands. Bei unserem Besuch schien der komplette Ort Winterschlaf zu halten. Die meisten Whalewatching-Anbieter hatten ihr Angebot auf eine Fahrt pro Tag zurückgefahren oder legten eine komplette Winterpause ein.

All seiner Touristen und dem damit verbundenen Trubel beraubt, blieb von Húsavík nur noch das Wesentliche: ein kleiner Küstenort mit vielen Holzhäusern, unter ihnen die weithin sichtbare Kirche, und ein verschlafener Hafen. Ganz ruhig lagen die vielen Boote da unter einer dicken Schneedecke. Die Restaurants, die Tickethäuschen und die Parkplätze ließen uns erahnen, was hier im Sommer los ist. Uns war es nicht unrecht, diesen ruhigen Moment abgepasst zu haben, um Húsavík einen Besuch abzustatten.

Den nächsten Streckenabschnitt, die Straße 87, hatten wir uns in der isländischen Verkehrs-App ganz genau angesehen. Von „difficult conditions“ war die Rede. Die Strecke sollte uns durch eine Schneewüste führen. Links und rechts der Straße türmte er sich auf und kein Baum versperrte die Sicht. Um uns herum nur Weiß. Von der Schotterpiste war nur ein schmaler Fahrstreifen übrig geblieben und wir konnten uns einerseits nicht an der Winterlandschaft satt sehen, andererseits waren wir froh den Mývatn zu erblicken und wieder die Ringstraße unter den Rädern zu haben.

Der Mývatn, wörtlich übersetzt Mückensee, und die zahlreichen Vulkankrater und Geothermalgebiete sind eines der beliebtesten Ausflugsziele der Isländer. Wir umrundeten den See. An einigen Stellen war er zugefroren, andernorts dampfte er wegen einer der vielen heißen Quellen. Unzählige Inseln lassen den Mývatn hinter jeder Kurve immer wieder ganz anders aussehen. Wir hatten zwei Tage für den auf uns mystisch wirkenden Mývatn-See und seine Umgebung eingeplant.

Im letzten Tageslicht erreichten wir die Dimmuborgir, die „dunklen Burgen“ deren Felsformationen die Überreste eines Lavasees sind. Auf den Wegen zwischen den steil aufragenden tiefschwarzen Felsen verlor sich fast kein Tourist mehr. Die nachlassende Sonne ließ uns spüren, wie kalt es war. Bei -13 Grad hielten auch wir es nur für gut 30 Minuten zwischen den dunklen Burgen aus – den Akkus unserer Smartphones und unserer Kamera erging es ähnlich.

Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft sammelten wir eine Backpackerin auf, die zwar nicht wusste wo sie war, aber zumindest wo sie hinwollte. Wir konnten sie ein paar Kilometer mitnehmen und hofften, dass sie bei den Temperaturen nicht zu lange auf die nächste Mitfahrgelegenheit warten musste.

Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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