Durch Regen und Nebel immer am Fjord entlang

An Tag Zwei beginnt unser Roadtrip strenggenommen erst so richtig. Denn ab Tag Zwei lassen wir uns gewissermaßen von der Ringstraße leiten, um einmal die komplette Insel Island zu umrunden. Die Ringstraße, auch Hringvegur oder Nationalstraße 1 genannt, ist die wichtigste Verkehrsader Islands. Sie verbindet alle wichtigen Orte und ist die am besten ausgebaute Straße. Man findet ausreichend Tankstellen und sie ist ein verlässlicher Ankerpunkt falls man auf einer der Nebenstraßen doch mal die Orientierung verloren haben sollte. Die Ringstraße kennt meistens nur zwei Richtungen und mit einer Autobahn sollte man sie nicht vergleichen. Eher mit einer Landstraße hierzulande. Mit den erlaubten 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und den vielen ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten lässt sich das Land gut erkunden.

Aber was wäre ein Roadtrip ohne Umwege, Nebenstraßen und die unvermeidlichen Sackgassen? Wir haben uns zweieinhalb Wochen Zeit genommen für Island und möchten die Insel auch abseits der Ringstraße erkunden. Deshalb haben wir für diesen Tag gleich zwei Abstecher – wir haben uns darauf geeinigt, sie nicht „Umweg“ zu nennen – eingeplant.

Wir fahren an der Westküste Richtung Norden und schon wenige Kilometer nachdem wir den Großraum Reykjavík hinter uns gelassen haben, stehen wir vor der Wahl zwischen dem Hvalfjörður-Tunnel oder einem 50 Kilometer langen Abstecher entlang des Hvalfjörður. Der Hvalfjörður ist ein Fjord an den es seit der Fertigstellung des Tunnels nur noch die wenigen Einheimischen oder Touristen verschlägt. Die Straße schlängelt sich am Fjord entlang und Licht und Landschaft verändern sich von Minute zu Minute. Nach einem Tag am Golden Circle finden wir die Ruhe, die wir gesucht hatten. Auf den eineinhalb Stunden Fahrt können wir entgegenkommende Autos beinahe an einer Hand abzählen. Wir halten an der Hvammsvik-Bucht, an einem kleinen Wasserfall am Straßenrand und sehen dabei zu, wie langsam aber sicher dunkle Wolken aufziehen.




Als wir bei Akranes wieder auf die Ringstraße abbiegen, türmen sich die Regenwolken nur so. Unser heutiges Ziel ist Arnarstapi auf der Halbinsel Snæfellsnes, ein relativ großer Abstecher.

Wir wollen Snæfellsnes für zwei ganze Tage erkunden. Auf unserem Weg dorthin liegt erstmal jede Menge Nichts. Wir fahren über eine Stunde ohne größere Ortschaften zu passieren. Links und rechts sehen wir mal das Meer, mal ein Gehöft, mal eine Pferdekoppel, ansonsten nur die karge Weite Islands, die wir in uns aufsaugen. Solange, bis wir gar nichts mehr sehen. Dicker Nebel zieht auf und Dauerregen stellt sich ein. Die Landschaft um uns herum verschwindet. Wir sehen nur noch ein paar Meter Straße vor uns als wir in Arnarstapi ankommen. Der Ort wirkt wie ausgestorben. Ein paar Touristen trotzen Wind und Regen, aber besonders glücklich sehen sie dabei nicht aus.

Wir fahren weiter nach Hellnar, eine der wenigen Ansiedlungen auf Snæfellsnes. Auch hier sehen wir außer ein paar hart gesottenen Touristen niemanden. Kein Wunder bei diesem Wetter und zu dieser Jahreszeit. Dauerregen prasselt aufs Auto und wir reden uns Mut zu, indem wir uns versichern, dass der Regen weniger werden würde. Wir packen uns in unsere Regenjacken ein, so gut es geht und folgen dem etwa vier Kilometer langen Küstenwanderweg.

Zuerst kommen wir am kleinen Cafe Fjöruhúsið vorbei, dass sehr einladend aussieht, aber im November, wie eine ganze Reihe anderer Lokale und Attraktionen, geschlossen ist. Lavafelder wechseln sich mit Klippen ab. Neben uns peitscht die Brandung, von oben der Regen. Wir sind etwa 20 Minuten unterwegs bis wir feststellen, dass der Küstenwanderweg wirklich großartig ist – bei schönem Wetter. Wir drehen um, bevor wir komplett durchgeweicht sind.






Wir flüchten in den Mietwagen und überlegen: der Regen wird nicht weniger, wir sind nass und die Sicht ist weiterhin fast null. So gern wir uns noch mehr von der Halbinsel angesehen hätten – unser Gastgeber in Arnarstapi überlässt uns die Schlüssel zu unserer Hütte etwas früher und wir können uns aufwärmen und umziehen.

Nach mehreren Stunden Nebel und Dauerregen passiert, womit wir nicht mehr gerechnet hatten: es klart auf. Im letzten Sonnenlicht des Tages bekommen wir das erste Mal einen Eindruck davon, wie es um uns herum überhaupt aussieht. Hinter uns ragen plötzlich riesige Berge auf und wir sehen, wie das Meer gegen die steilen Klippen peitscht.




Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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