Ein Tag auf der Ringstraße

Als wir in den Flieger nach Reykjavík stiegen, hatten wir eine lange Liste von Orten, die wir uns ansehen wollten, in unserem Notizbuch. Die einzelnen Etappen unserer Reise waren grob durch die gebuchten Übernachtungen abgesteckt. Was zwischen einer Unterkunft und der nächsten passieren sollte, stand noch nicht fest. Beim Planen der Route vor Ort stellte sich dann eine gewisse Routine ein: Wie wird das Wetter am nächsten Tag? Müssen wir mit Windböen, Sturm, Regen, Schnee oder anderen Unwägbarkeiten rechnen? Die Island-Wetter-App leistete gute Dienste. Sind alle Straßen, auf denen wir unterwegs sein wollen, passierbar? Auch dafür gibt es eine zuverlässige App, die uns anzeigte, mit welchen Straßenverhältnissen zu rechnen war. Und schließlich: Liegt ein Hotpot auf unserem Weg, den wir besuchen sollten? Hotpoticeland.com brachte Licht ins Dunkel.

Nach einer halben Woche Island stellten wir fest: unsere Hotpot-Premiere war inzwischen mehr als überfällig. Trotz unseres geplanten Tagespensums – von Grundarfjörður bis Siglufjörður lagen, Zwischenstopps eingerechnet, sieben Stunden Fahrzeit vor uns – wollten wir den Landbrotalaug nicht auslassen.


Das Auffinden der Pools ist immer so eine Sache. Ohne etwas Recherche vorab, ist es selten offensichtlich, wo sich ein Hotpot verbirgt. Es gilt, den richtigen Feldweg zu nehmen und etwas Geduld mitzubringen. Bis wir am Landbrotalaug ankamen, mussten wir ein ganzes Stück über eine Schlammpiste kurven und ließen uns vom aufsteigenden Dampf leiten.

Der Hotpot war unser erster Halt des Tages und wir rechneten uns in Anbetracht der morgendlichen Uhrzeit, einer Außentemperatur knapp über 0°C und leichtem Regen gute Chancen aus, die heiße Quelle für uns allein zu haben. Immerhin waren nur ein Camper und ein PKW vor Ort. Zuerst versuchten wir uns einen Überblick zu verschaffen. Wir beobachteten, wie sich die Tür des Campers öffnete und zwei dick eingepackte Gestalten sich auf den schlammigen Trampelpfad begaben, der zum Landbrotalaug führt. Aus der Entfernung erkannten wir, dass die beiden nicht vorhatten, bei diesem Wetter ein Bad zu nehmen. Keine schlechte Wahl an diesem Tag.

Wir packten die Handtücher und machten uns nun selbst auf den Weg durch Regen, Schlamm und Kälte. Am Hotpot angekommen, standen wir dann vor der alles entscheidenden Frage: rein oder nicht rein? Der Landbrotalaug ist ein, sagen wir es so, sehr naturbelassener Pool und das Wasser war bei unserem Besuch sehr heiß. Es gab dennoch keine zwei Meinungen darüber, ob man nun wirklich hineinsteigen sollte oder nicht. Unsere Sachen versuchten wir halbwegs trocken und schlammfrei in der Nähe zu verstauen, was garnicht so einfach war. Einmal im Wasser, wussten wir aber, dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Es ist schon ein besonderes Gefühl, mitten in der Natur in eine heiße Quelle zu steigen.


Zurück im Auto, galt es eine letzte Hürde zu nehmen – wie und wo umziehen, wenn draußen alles nass und schlammig ist? Es stellte sich heraus, dass man sich mit etwas Geduld, einer Rückbank, die zum Wäschetrockner umfunktioniert wird, und ein paar lebensbedrohlichen Verrenkungen auch im Auto umziehen kann. Nach dem Landbrotalaug ließen wir Snæefellnes hinter uns und kehrten nach zwei Tagen zurück auf die Ringstraße.

Noch sechs Stunden Fahrt. Unser nächstes Ziel waren die Hraunfossar bei Reykholt. Den Abstecher von der Ringstraße ins Landesinnere sind diese Wasserfälle definitiv wert. Das Wasser der Hraunfossar fließt unterirdisch unter einem Lavafeld entlang und wird erst wieder sichtbar, wenn es sich über hunderte Meter hinweg in ungezähligen kleinen Wasserfällen in den Hvítá-Fluss ergießt. Wer der Meinung ist, dass alle Wasserfälle gleich aussehen – die Hraunfossar sind der Gegenbeweis.



An einer Tankstelle decken wir uns mit heißen Getränken ein und tanken auf. Im Vorfeld unserer Reise haben wir oft davon gelesen, dass man wegen der rar gesäten Tankmöglichkeiten immer auf die Tankanzeige achten sollte. Solange wir uns in der Nähe der Ringstraße aufhielten, war das für uns kein Problem. Schwieriger war es da schon „mal eben“ noch etwas einzukaufen – Supermärkte oder andere Einkaufsmöglichkeiten fanden wir nicht an jeder Ecke.

Zum ersten Mal sind wir für mehrere Stunden auf der Ringstraße unterwegs. An uns zieht eine karge, dünn besiedelte Landschaft vorbei – wir spüren deutlich, dass wir den Ballungsraum Reykjavík hinter uns gelassen haben und die nächstgrößere Stadt Akureyri noch hunderte Kilometer entfernt ist.

Noch drei Stunden Fahrt. Irgendwo hier muss der Abzweig nach Vatnsnes sein. Da! Wir biegen ab auf eine schlammige Piste – eine der wenigen Straßen, die es auf der Halbinsel Vatnsnes überhaupt gibt. Das gesamte Straßennetz besteht ausschließlich aus Schotterpisten. Wir sind froh, dass unser Mietwagen halbwegs geländegängig und mit Allradantrieb versehen ist. Über 45 Minuten rumpeln wir Richtung Norden und sehen fast keine Menschenseele. Als wir an der Felsformation Hvítserkur ankommen, sind wir ordentlich durchgeschüttelt und vom strahlenden Weiß unseres Mietwagens ist nicht mehr viel übrig.



Eine Handvoll Touristen hat es hierher verschlagen. Von einer Klippe aus betrachten wir Hvítserkur. Die Felsformation ragt einsam wie von der Steilküste zurückgelassen aus dem Meer. Kein Wunder, dass die Isländer Hvítserkur für einen versteinerten Troll halten. Es ist später Nachmittag und die Magic Hour rückt näher. Unten am Strand haben diverse Fotografen ihre Objektive aufgebaut, die sie zuvor mühsam über einen abenteuerlichen Pfad von der Klippe nach unten bugsiert haben.

Wir nehmen den deutlich längeren, aber weniger steilen Weg zum Strand hinunter und werden dafür belohnt. Ein paar Meter von uns entfernt taucht etwas unvermittelt aus dem Wasser auf. Wir greifen zum Fernglas und bekommen ein paar Robben zu Gesicht. Wir sind normalerweise nicht die großen Tierbeobachter, die stundenlang ausharren um diesen oder jenen Vogel zu sehen zu bekommen – aber wenn man das erste Mal eine Robbe aus näherer Entfernung beobachten kann, erweckt das irgendwie einen kleinen inneren Heinz Sielmann zum Leben. Wir verbringen fast zwei Stunden bei Hvítserkur und holpern dann zurück zur Ringstraße.


Immer noch liegen zwei Stunden Fahrt vor uns. Siglufjörður, wo wir die Nacht verbringen werden, liegt gerade mal 40 Kilometer vom Polarkreis entfernt und war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein besser mit dem Boot als mit dem Auto zu erreichen. Es ist inzwischen dunkel und nachdem wir wiederum von der Ringstraße abgebogen sind, folgen wir der Nebenstrecke gen Norden. Die Nacht und das Wetter sind klar als wir gegen 22 Uhr in Siglufjörður ankommen. Wir trauen dem Wetterbericht, der Schnee für den kommenden Tag vorhergesagt hat, noch nicht so ganz.

Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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