Über den Schären – Tjörnehuvud

Wir kaufen vor jedem größeren Urlaub einen Reiseführer. Mehr zur Beruhigung als zur aktiven Vorbereitung. Denn irgendwie passen die Vorschläge auf Papier nie so recht zu unseren Plänen. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je einem der vorgeschlagenen Restaurants oder Hotels einen Besuch abgestattet oder das wir uns an eine der vorgestellten Touren gehalten hätten. Oft sind die Fotos etwas zu angestaubt oder die Empfehlungen gehen an unserem Geschmack vorbei. Man kauft einen Reiseführer, weil man das eben so macht und uns dient er immer als grobe Orientierung, die man mit sich herumtragen und in der man auch ohne Internetverbindung etwas nachschlagen kann. 

Besonders gefährlich sind in Reiseführern immer Kategorien wie „Geheimtipps“. Wenn es eine Sehenswürdigkeit in einen jährlich neu aufgelegten, zig tausendfach gedruckten, Reiseführer geschafft hat, kann sie wohl nur noch schwerlich als „geheim“ gelten. Eine der wenigen Ausnahmen (die selbstverständlich die Regel bestätigt) ist der Aussichtspunkt Tjörnehuvud im kleinen Ort Rönnäng auf der Insel Tjörn.

Als wir am Kullens Fyr aufbrechen, schrecken uns die fast 300 km Entfernung wenig ab. Denn Rönnäng liegt genau dort, wo wir die kommenden Tage verbringen möchten, an der Schärenküste der Provinz Bohuslän, nördlich von Göteborg.

Der Aufstieg zum etwas mehr als 80 m hoch gelegenen Aussichtspunkt Tjörnehuvud ist versteckt neben dem Hotel Bergabo. Wir waren 2011 schon einmal dort und doch fanden wir den kleinen Pfad, der nach oben führt, nicht direkt wieder. Es gibt zwei Routen: eine teils sehr steile Treppe und einen Weg, der sich über die Schärenfelsen immer weiter hinauf schlängelt.

Oben hat man einen außergewöhnlichen Rundumblick. Man blickt auf Rönnäng hinab, auf die kleine dicht bebaute Insel Åstol und auf die Schärenküste. Ein paar kleine Motorboote ziehen unten im Meer ihre Bahnen. Schaut man landeinwärts, erkennt man wie karg und felsig die Schärenlandschaft Westschwedens ist. Kilometerweit erstreckt sich das Grau. Und es erwartet einen absolute Ruhe. Bei beiden Besuchen am Tjörnehuvud ist uns keine Menschenseele begegnet. Es lohnt sich auf jeden Fall, in Rönnäng am Hotel Bergabo nach einem der Wege nach oben Ausschau zu halten, auch wenn man sich dabei etwas verboten vorkommt.

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