Treiben lassen – im Hotpot und auf der Straße

Für uns gehören zu einem Roadtrip auch die Tage an denen wir uns einfach mal treiben lassen. Tage, die nicht von vorn bis hinten durch eine ewig lange Route oder unzählige Stops verplant sind. Nachdem wir am Vorabend das erste Mal Polarlichter gesehen hatten, erwartete uns genau so ein Tag. Vor dem Fenster grüßten dicke Wolken und es würde jeden Moment zu regnen beginnen. Für uns war das eine willkommene Abwechslung. An den vorangegangenen Tagen hatten wir uns an Minusgrade, Eis und Schnee gewöhnt und auch das ein oder andere Mal mit der klirrenden Kälte gekämpft. Im Südosten erschienen uns die 4°C zwar nicht frühlingshaft, aber das veränderte Klima und das zum Greifen nahe Meer brachten Veränderung.

Wir nahmen uns erstmal nur zwei Dinge vor: Wir wollten den Hotpot bei Djúpivogur finden, den wir Tags zuvor in der Dämmerung verpasst hatten und am Abend an unserer neuen Unterkunft ankommen. Den Rest wollten wir, auch aufgrund des unbeständigen Wetters, auf uns zukommen lassen. Den Djúpavogskörin-Hotpot ließen wir uns von ein paar Regentropfen nicht vermiesen und an Regen hatten wir uns bei Hotpot-Besuchen ja schon gewöhnt.

Wieder war bei der Suche etwas Geduld gefragt. Irgendwo auf dem schmalen Streifen zwischen Ringstraße und Atlantik musste der Djúpavogskörin zwischen den Lava-Felsen liegen. Ganz langsam fuhren wir den Abschnitt der Ringstraße ab, wo laut Beschreibung eine Schotterpiste abgehen sollte. Die Wegbeschreibungen und sogar das Bildmaterial, das wir uns vorab herausgesucht hatten, waren nicht ganz eindeutig. Wir nahmen zuerst die falsche Abfahrt, mussten umdrehen und glücklicherweise konnten wir diesen Teil der Ringstraße aufgrund des wenigen Verkehrs im Schritttempo erkunden. Unsere Geduld sollte belohnt werden: Ganz allein lag der Djúpavogskörin da und schien auf uns zu warten. Über einen schmalen, rutschigen Pfad gelangten wir zum Pool und verloren keine Zeit hineinzukommen.

Der Djúpavogskörin unterschied sich ganz grundsätzlich von unserem ersten Hotpot, dem Landbrotalaug. Letzterer war ein naturbelassener Hotpot. Der Djúpavogskörin glich eher einer wohltemperierten Badewanne im Freien mit Blick auf den Atlantik und war damit perfekt für einen leicht verregneten Vormittag. Über eine Stunde saßen wir mutterseelenallein im Hotpot und genossen das warme Wasser, den Meerblick und ein paar Regentropfen von oben.

Das Umziehen im Auto ging beim zweiten Mal schon besser von der Hand und danach erkundeten wir ganz langsam, immer der Ringstraße gen Westen folgend die Südküste Islands. Für die Tagesausflügler und Touristenbusse ist die Region zu abgelegen, sodass wir es genossen, in Ruhe und fast ohne andere Touristen zu reisen. Wir erkundeten winzige Küstenorte und machten schließlich am orangenen Hvalnes Viti Leuchtturm halt. Von dort hatten wir freien Blick auf den Atlantik, den kilometerlangen Strand der Lónsvík-Bucht und eine steil hinter uns aufragende von Nebel verhangene Bergfront.

An diesem Tag liegen zwischen unseren zwei Unterkünften nur 70 km. Wieder wartet eine kleine Hütte auf uns und wieder befindet sie sich im Niemandsland 15 km nördlich von Höfn. Die Anfahrtsbeschreibung und unser Navi waren nicht allzu genau und so dauert es etwas bis wir  die Cottages gefunden haben. Nach mehr als zehn Tagen Island stehen wir erstmals auf dem Schlauch: die Hütten stehen allein auf weiter Flur und uns ist nicht ganz klar, welche von ihnen für uns gedacht ist.

Schon zu diesem Zeitpunkt haben wir unsere unzähligen Transaktions- und Bestätigungsmails von booking.com auf Hinweise durchkämmt, wie wir in die Hütte hineinkommen würden. Jeder Vermieter hat andere Gepflogenheiten und booking.com generiert daraus munter E-Mails mit allerlei Informationsschnipseln, die man bestenfalls nicht weiter beachten muss. Nach einer Weile erahnen wir, welches Cottage unseres ist und versuchen den Öffnungsmechanismus zu verstehen. Wir brauchen einen Code!

Nach gut 20 Minuten und mehreren erfolglosen Versuchen den Vermieter zu kontaktieren, durchstöbern wir ein drittes Mal das halbe Dutzend E-Mails – und finden den Code. Danach klappt alles reibungslos und wir verbringen eine weitere Nacht in einer schlichten isländischen Blockhütte.

Unser Abendprogramm sind auch hier wieder Polarlichter. In strahlenden sich ständig verformenden Bändern ziehen sie über einer Bergfront hinter unserer Hütte hinauf, über unsere Köpfe hinweg und dann Richtung Atlantik, wo sie sich in der Ferne verlieren. Wir kochen uns einen Tee, packen uns dick ein und wandern ein paar Mal um unsere Hütte – einfach um zu beobachten, wie sich das Leuchten auf seinem Weg über den Nachthimmel hinweg stetig verändert.

Wo direkt an der Ringstraße zwischen Höfn und Hoffell
Was Mehrere Hütten für vier oder sechs Personen mit Terrasse. Anders als bei anderen Gastgebern, mussten wir die Betten selbst beziehen und vor Abreise die Hütte reinigen. Wir hatten den Eindruck, dass hier nicht jeden Tag jemand vorbeikommt, um nach dem Rechten zu sehen, aber vielleicht war das auch der Jahreszeit geschuldet.
Wer Den Vermieter haben wir nicht kennengelernt und leider auch nicht erreicht als wir eine Frage hatten.

alle Details bei booking.com


Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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