Um uns Ruhe, vor uns das Meer.

Ein Wohnmobil macht flexibel, aber auch wählerisch. Am Ende jedes Tages steht man vor der Entscheidung: hier bleiben und an Ort und Stelle einen Platz für die Übernachtung suchen oder noch ein Stückchen (und vielleicht noch ein Stückchen) weiterfahren und nach einem noch besseren Platz Ausschau halten. Oder vielleicht sogar einen der Orte anfahren, die man in mühsamer Recherche vorab zusammengesucht hat. 

Nach dem Abstieg vom Tjörnehuvud Aussichtspunkt entschieden wir uns für Letzteres. Wir hatten einen kleinen Stellplatz an einem Yachthafen direkt am Meer etwa eine Autostunde entfernt ins Auge gefasst. Wenn man am frühen Abend solch einen Ort ansteuert, stellt sich eine gewisse Erwartungshaltung und Müdigkeit ein. Man will ankommen und freut sich darauf, zur Ruhe zu kommen.

Nicht in der Hauptsaison zu reisen, hat seine Vor- und Nachteile, dass sollten wir an diesem Abend in kurzer Abfolge merken. Als wir ankamen und uns anstelle des Stellplatzes ein Bauzaun erwartete, spürten wir die Nachteile. Die Nebensaison wurde zum Umbau des Platzes genutzt und wir mussten weitersuchen. Also begann unsere Suche kurz nach 20 Uhr von vorn. Die engen Küstenstraßen entlangkurvend und mit der hereinbrechenden Dämmerung im Nacken ließen wir ein paar Haltebuchten links und rechts liegen und machten schließlich in Hälleviksstrand auf einem öffentlichen Parkplatz halt.

Der Parkplatz war leer bis auf ein weiteres Wohnmobil und zusammen mit unserem Versuch dem schwedischen Parkplatzbetreiber per SMS die Parkgebühr zukommen zu lassen, fühlten wir uns ausreichend legitimiert hier eine Nacht zu verbringen. Und hier kommen wir zu den Vorteilen der Nebensaison. Der kleine Ort Hälleviksstrand wird im Hochsommer von zahlreichen Touristen bevölkert. Viele Schweden und Norweger haben hier ein Sommerhaus. Ende August in der Dämmerung war Hälleviksstrand wie ausgestorben und wir konnten mitten im Ort, direkt am Wasser unser Wohnmobil abparken. Im Hafen lagen ruhig die Boote und die Stille der Nacht begann sich über die Häuser, die Schiffe und das Meer auszubreiten. Nur draußen auf dem Meer, zwischen den Schären hörte man einen Vater, der seinem Sohn mit großen Worten und zahlreichen Kommandos das Motorbootfahren beibrachte.

Auch am nächsten Morgen blieb der Parkplatz leer. Keine Tagestouristen, die uns zugeparkt hätten, keine Politessen, die uns vertreiben wollten. Nur das Meer, das direkt hinter unserem Wohnmobil anfing und (wieder) ein paar hartgesottene Schweden, die den schwimmenden Steg für ein Bad nutzten. Wir nutzten ihn zum Frühstücken im Freien.

Um uns Ruhe, vor uns das Meer.

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