Und plötzlich standen wir am Meer.

Wenn wir unseren Urlaub planen, zieht es uns eigentlich immer ans Meer. Die Weite des Meeres über die wir unseren Blick schweifen lassen können und die gleichförmigen Bewegungen der Wellen sind so eine Art Quell der Entspannung für uns.

Dennoch hatten wir uns dafür entschieden einen Teil von Norwegen zu erkunden, wo das offene Meer nicht unbedingt zu erwarten war. Natürlich hatte es uns auch das nördliche Norwegen und ganz besonders die Lofoten angetan, aber innerhalb von zwei Wochen das ganze Land zu erkunden, erschien uns als aussichtslos. Deshalb pickten wir uns zunächst Ziele im südlichen und mittleren Norwegen heraus und wollten vor Ort herausfinden, wie weit wir nach Norden kommen würden.

Mit langen Sandstränden rechneten wir erstmal nicht. Doch auf unserem Weg vom norwegischen Südkap ins Fjordland konnten wir einen Abstecher nach Jæren machen, einem Küstenlandstrich im Südwesten nahe Stavanger.

Vom Südkap aus brachen wir Richtung Westen auf und folgten für einige Kilometer der RV 44, einer Nebenstrecke, die zwar einen Umweg bedeutete, aber die auch einen ersten Eindruck von dem Norwegen vermittelte, das wir bald besser kennenlernen sollten: ein ständiges Auf und Ab, bei dem sich Fjorde, Seen und Berge minütlich abwechselten. Ganz anders als wir Jæren erreichten: vor unserer Windschutzscheibe taten sich grüne Wiesen, plattes Land, ein weiter Horizont und die offene Nordsee auf. Wir fühlten uns nach Dänemark versetzt und als wir am Orrestranda hielten, waren wir uns nicht mehr ganz sicher, ob wir noch in Norwegen waren. Die Düne, der Strand, das Meer, das Wetter – alles war so anders als das, was wir auf den ersten Kilometern durch Norwegen kennengelernt hatten. Das, was wir hier sahen, hatten wir hier nicht vermutet. Und doch war es da und wir glücklich. Und so bekamen wir etwas, womit wir eigentlich gar nicht gerechnet hatten – einen Tag am Meer.

Der Weg über die Düne war vielversprechend. Und mit jedem Schritt, mit dem wir uns dem höchsten Punkt näherten, durchfuhr uns vollkommene Zufriedenheit. Auf der anderen Seite erwartete uns ein langer, breiter Sandstrand. Egal wohin wir schauten, wir sahen nur Nordsee, Strand und Düne. Dazu gab es strahlenden Sonnenschein und es ging ein ordentlicher Wind. Wir blieben eine gefühlte Ewigkeit und schauten stumm aufs Meer oder den weiten Strand entlang.

Hier wollten wir sehr gern den Rest des Tages und die Nacht verbringen, doch wurden jegliche Plätze mit Schildern versehen, die uns das Übernachten untersagten. Wir waren nicht draufgängerisch genug um auszuprobieren, was passiert, wenn man sich nicht daran hält. Wir spürten, dass wir mit unserem Camper hier nicht so gern gesehen waren.

Wir gaben auf und wagten die Flucht nach vorn. Etwas enttäuscht aber mit einer großen Portion Zufriedenheit fuhren wir weiter Richtung Norden, nach Lauvvik. Dort wartete die erste Überfahrt mit der Fähre auf uns.

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