Wintereinbruch in Siglufjörður

Siglufjörður hatte es auf unsere Reiseroute geschafft, weil wir zwischen Snæfellsnes und Mývatn einen Zwischenstopp brauchten. Gelesen hatten wir von der kleinen Stadt ganz im Norden Islands in einem Reiseblog. Von einer ganz besonderen Stimmung ist darin die Rede. Ob so eine Stimmung auf einen selbst übertragbar ist, weiß man ja vorher nie so genau. Die Fakten zu Siglufjörður lesen sich erstmal nüchtern: 1.200 Einwohner, 40 Kilometer nördlich vom Polarkreis gelegen und einst bekannt für die Heringsfischerei, zu der es ein Museum zu besichtigen gibt.

Als wir im Dunkeln in Siglufjörður ankommen, erwartet uns ein schmuckloser Ort mit vielen schlichten Wellblechhäusern. Auch unsere Unterkunft sieht von außen weniger einladend aus, als sie sich später von innen entpuppt. In Siglunes Guesthouse fallen wir in unsere Betten und ein Teil von uns macht fast die ganze Nacht kein Auge zu.

Der Wetterbericht ist Schuld daran. Wir warten auf den Winter, der in der Nacht über Siglufjörður hereinbrechen soll. Und tatsächlich: es beginnt zu schneien und es hört so schnell nicht wieder auf. Am nächsten Morgen hat sich eine dicke Schneedecke über den Ort gelegt. Ganz plötzlich waren wir im isländischen Winter angekommen und wir hätten uns keinen besseren Ort oder Zeitpunkt dafür vorstellen können.

Der ganze Ort schien wie unter dem Schnee begraben und die ohnehin schon wenigen Autos, die unterwegs waren, erschienen im Schneetreiben noch einmal leiser und langsamer. Wir mussten so schnell wie möglich nach draußen und uns im verschneiten Siglufjörður umsehen. Diesen Plan schienen wir exklusiv zu haben. Die Straßen waren wie ausgestorben und genau genommen konnten wir nur noch erahnen wo Straße und wo Gehweg war.

Teilweise bis zu den Waden im Neuschnee versinkend, stapften wir zur Kirche des Ortes hinauf und betrachteten fasziniert das Schneetreiben und wie Siglufjörður von Minute zu Minute mehr darin verschwand.

Auf den Straßen tat sich wenig in Sachen Winterdienst, das galt nicht nur für die kaum besiedelte Gegend um Siglufjörður sondern auch für die Ringstraße, die wir an diesem und den kommenden Tagen befuhren. Statt tonnenweise Salz auf den Straßen zu verteilen, setzt man in Island auf angemessene Reifen. Letztere waren bei unserem Mietwagen mit Spikes versehen, was sich in den kommenden Tagen als große Hilfe herausstellen sollte.

Auf unserem Weg von Siglufjörður nach Akureyri wechselten sich Schneefall und Sonne, schroffe Berghänge und Fjorde, verschneite Straßenabschnitte und grüne Täler immer wieder ab, sodass wir alle paar Minuten das Bedürfnis hatten, auf der Stelle anzuhalten und den Moment einzufangen. In Akureyri war nicht ganz so viel Schnee wie in Siglufjörður gefallen, aber auch hier spürten wir, dass der Winter über Nacht Einzug gehalten hatte.

Auch wenn etwas außerhalb von Akureyri unsere Hütte auf uns wartete, entschieden wir uns, noch etwas weiter auf der Ringstraße Richtung Osten zu fahren und uns den Goðafoss anzusehen. Dort wurden wir Zeuge des ersten von vielen kleinen Unfällen, die wir in den nächsten Tagen zu sehen bekommen sollten und die ausnahmslos von Touristen mit ihren Mietwagen verursacht wurden. Auf der spiegelglatten Zufahrt zum Goðafoss-Wasserfall, war jemand mit seinem gemieteten Kleinwagen ganz sachte von der Straße gerutscht. Es bildete sich ein ungefähr acht Autos umfassender Stau.

Als wir auf dem Parkplatz ausstiegen, hatten wir das Gefühl im Auto besser aufgehoben zu sein. Draußen erwartete uns bei klirrender Kälte der in gleißenden Sonnenschein getauchte Goðafoss. Der Pfad, der zum Wasserfall führte, bestand aus nassen, schneebedeckten oder überfrorenen Findlingen. Wir wussten nie so genau, wo wir als nächstes hintreten würden. Aus der Entfernung schauten wir uns an, wie der dampfende Goðafoss in die Tiefe stürzte und wie einige Touristen noch auf den glitschigsten Felsen klettern mussten, um ihr vielleicht letztes Selfie zu knipsen.

Auf dem Rückweg nach Akureyri hatten wir uns schon fast an die neue Jahreszeit und die Straßenverhältnisse gewöhnt. Ein Blick in die Wetter-App verriet uns am Abend – wir konnten mit noch mehr Schnee rechnen.

Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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