Wir nehmen uns eine Auszeit im Schneegestöber

Valtyr, unser Gastgeber, ließ uns wissen, dass der Schnee vom Vortag der erste des Jahres in Island gewesen war. Während im Süden und insbesondere in Reykjavík noch keine Schneeflocke in Sicht war, hatte es uns zur richtigen Zeit an den richtigen Ort verschlagen. Insgeheim hatten wir auf den Winter gehofft, ihn aber auch ein bisschen gefürchtet. Gehofft, weil wir uns Island im Winter noch einmal ganz anders als Island im Herbst vorgestellt hatten und wenn wir das Land schon im November bereisten, dann wollten wir diese Erfahrung natürlich mitnehmen. Gefürchtet, weil wir nicht wirklich abschätzen konnten, wie sich das Wetter auf Straßen, unser Vorankommen und unsere Reiseroute auswirken würde.

Der Wetterbericht kündigte vorab auf jeden Fall Schnee, Schnee und noch mehr Schnee an. Und die Vorhersage hatte nicht zu viel versprochen. In der Nacht legte sich eine dicke Schneedecke über unsere Hütte und unseren Mietwagen. Am nächsten Morgen konnten wir beobachten, wie es ununterbrochen weiterschneite und sich fast minütlich Zentimeter um Zentimeter vor unserem Fenster auftürmte.

Valtyr ließ an diesem Tag mehrmals die kleine Zufahrtsstraße zu den Hütten räumen. Seinen Kindern gefiel der halbe Meter Neuschnee natürlich, aber ihm entlockte er nur ein Augenrollen. Von unserer Hütte aus konnten wir beobachten, wie von Zeit zu Zeit ein Räumfahrzeug die Ringstraße auf und ab fuhr. Einen größeren Ausflug für den Tag hatten wir uns aufgrund der Wettervorhersage und unserer gemütlichen Hütte garnicht erst vorgenommen und wir würden noch eine weitere Nacht in Valtyrs Hütte übernachten. Wir hatten also genug Zeit, um es den Isländern gleichzutun und das Schneetreiben erstmal von drinnen zu beobachten.

Am Nachmittag wollten wir uns Akureyri genauer anschauen, aber auf den dick eingeschneiten Gehwegen herrschte gähnende Leere. Wer nicht unbedingt musste, bewegte sich nur mit dem Auto fort und auch wir merkten schnell, dass alles andere wenig Sinn machte.

So verbrachten wir den Tag zum Großteil damit, etwas zu verschnaufen, dem nicht aufhören wollenden Schneetreiben zuzuschauen und aufkommende Schadenfreude zu unterdrücken. Für Letzteres war unser Hüttennachbar verantwortlich. Im Verlauf unserer Reise war uns schon aufgefallen, dass unsere Gastgeber jede noch so kleine Kleinigkeit auf Zetteln und Hinweisschildern erklärten, z.B. wie man Türen und Fenster öffnete und abschloss oder wie man den Herd an- und abschaltete. Wir konnten uns vorstellen, dass es zu jedem dieser Hinweise eine Geschichte gab, die wohl in den meisten Fällen mit unachtsamen oder unwissenden Touristen zu tun hatte.

An einem verschneiten Abend in Akureyri wurden wir Zeuge einer solchen Geschichte. Unser Nachbar hatte eigentlich schon seinen dicken Jeep auf dem von Valtyr eigens freigeräumten Parkplatz vor seiner Hütte abgeparkt, als er gegen 21 Uhr nochmal den Motor anwarf. Nach einigen Minuten des Rangierens hatte er sich festgefahren. Der Jeep hing auf einem Stein fest. Valtyr hatte mit Findlingen die kleine Zufahrtsstraße abgesteckt und unter den Schneemassen waren sie unsichtbar geworden. Im Gespräch mit unserem Nachbar stellte sich heraus, warum er in der Dunkelheit im Tiefschnee hatte umparken wollen: Weil ihm sein Jeep den Ausblick aus der Hütte auf den Fjord versperrte. Mehr als eine Mitleidsbekundung und ein „Tja…“ konnten wir zur Aufklärung der Situation nicht beitragen. Ein Fall für den Darwin-Award.

Valtyr rückte am Abend mit seinem Jeep an, am Morgen rief er einen Abschleppwagen, der aber nicht die Zufahrtsstraße hinaufkam. Es half alles nichts: Als wir am nächsten Vormittag aufbrachen, hing der Jeep noch immer auf dem Stein. Uns blieb eine solche Aktion glücklicherweise erspart. Wir genossen die zwei Tage in Valtyrs Hütte mit Blick auf Akureyri und den Fjord.

Wo etwas außerhalb von Akureyri, direkt an der Ringstraße aber dennoch sehr ruhig gelegen
Was mehrere moderne Hütten mit großen Panoramafenstern, die sehr durchdacht eingerichtet sind
Wer unser Gastgeber Valtyr wohnte nur wenige hundert Meter entfernt und war sehr hilfsbereit und immer erreichbar

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Was den isländischen Winter angeht, sollten sich unsere Hoffnungen erfüllen und unsere Zweifel schnell zerstreuen. Es war für uns als würden wir Island gleich zwei Mal bereisen – mal mit und mal ohne Schnee.

Die Basics zu unserer Islandreise – Route, Mietwagen, Ausrüstung, Anreise und Wissenswertes über Island haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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